03.03.2026
Die Firma Leonhard Weiss hielt den Richtspruch ab.
Die Firma Leonhard Weiss hielt den Richtspruch ab. © StBAA/Augsburg

Richtfest des Erweiterungsbaus der Staats- und Stadtbibliothek Augsburg

Knapp ein Jahr nach der Grundsteinlegung feierte das Staatliche Bauamt Augsburg am 2. März 2026 gemeinsam mit dem bayerischen Staatsminister für Wohnen, Bau und Verkehr, Christian Bernreiter, sowie Eva Weber, Oberbürgermeisterin der Stadt Augsburg, das Richtfest für den Erweiterungsbau der Staats- und Stadtbibliothek Augsburg. Vertreterinnen und Vertreter aus Bau und Planung sowie zahlreiche Gäste der Bayerischen Staatsbibliothek verschafften sich einen Eindruck vom Baufortschritt: Der Rohbau ist fertiggestellt, die zukünftige Form des Neubaus ist bereits deutlich sichtbar und schließt unmittelbar an das denkmalgeschützte Bestandsgebäude an.

Bayerns Bauminister Christian Bernreiter: „Die Staats- und Stadtbibliothek Augsburg ist eine Schatzkammer für ganz Bayerisch-Schwaben! In ihre Sanierung und Erweiterung investiert der Freistaat rund 62,5 Millionen Euro. Dieses Geld ist sehr gut angelegt! Die Bibliothek hat mit der Brecht- und Mozartforschung einen eigenen Forschungsschwerpunkt. Gleichzeitig ist sie ein lebendiger Ort der Begegnung, der für alle offen ist. Schon der Rückbau der alten Stadtbücherei hat Maßstäbe gesetzt: Viele Bauteile wurden gemeinsam mit der Hochschule Augsburg dokumentiert und verkauft. Von der Türklinke bis zur Stahltreppe wurde so vieles wiederverwendet. Das heutige Richtfest für die Erweiterung ist ein schönes Zeichen, dass das Projekt vorankommt. Ende nächsten Jahres soll der Betrieb wieder starten. Mein Dank gilt vor allem dem Staatlichen Bauamt Augsburg, das dieses Projekt der Extraklasse hervorragend umsetzt!“

Karl-Georg Pfändtner, Leiter der Staats- und Stadtbibliothek Augsburg: „Wir freuen uns auf den hoffentlich baldigen Wiedereinzug in eine dann der modernsten und anspruchsvollsten Bibliotheken Europas im Herzen der Stadt Augsburg!“

Ein zeitgemäßes Ergänzungsbauwerk — Architektur und Nutzung

Der im Wettbewerb 2016 prämierte Entwurf von Max Dudler schafft eine Synthese aus historischem Erbe und moderner Bibliotheksarchitektur. Es entsteht eine wegweisende Erweiterung, die den historischen neobarocken Bestandsbau aus den Jahren 1892/93 behutsam ergänzt und zu einem zukunftsweisenden Bibliotheksstandort entwickelt.

Wesentliche Merkmale

Max Dudlers Entwurf sieht einen Neubau vor, der rückwärtig an das Bestandsgebäude anschließt und diesem eine neue Adresse an der Gutenbergstraße eröffnet. Der Erweiterungsbau greift die Symmetrie und klare Achsialität des historischen Gebäudes auf und transformiert dessen architektonische Charakteristika – von der horizontalen Bänderung über den betonten Sockelbereich bis hin zu den großen Fensteröffnungen – in eine zeitgenössische Formensprache.

Im Inneren wird die prunkvolle historische Treppe zum verbindenden Herzstück der erweiterten Bibliothek. Das Treppenhaus wird an der Rückfassade geöffnet und verwebt beide Bauteile miteinander. Die ehemalige Außenfassade des Mittelrisalits wird zur Innenwand und kommt in einem über sieben Meter hohen neuen Veranstaltungssaal besonders zur Geltung. Der bisher unscheinbar gelegene Lesesaal erfährt eine deutliche Aufwertung: Er nimmt den gesamten ersten Stock des Neubaus ein und wird direkt über das repräsentative Treppenhaus erschlossen.

Insgesamt wird der Neubau nach Fertigstellung über eine Nutzfläche von rund 4.700 m² verfügen. Davon entfallen etwa 3.500 m² auf vollklimatisierte Magazinflächen zur sicheren Aufbewahrung von rund 700.000 Büchern und weiteren Beständen. In zwei unterirdischen Magazingeschosse sind Tresormagazine für besonders wertvolle Bestände vorgesehen. Für die Beschäftigten werden moderne Arbeitsplätze und eine zeitgemäße Infrastruktur geschaffen, die effizientes Arbeiten und die Betreuung der Bestände ermöglichen.

Nachhaltigkeit und Naturschutz als Planungsprinzipien

Nachhaltiges Bauen sowie der Schutz von Natur und Arten in innerstädtischer Lage haben bei diesem Bauvorhaben hohe Priorität. Ein mehrfach ausgezeichnetes Pilotprojekt zum selektiven Rückbau des ehemals benachbarten Bestandsgebäudes der Alten Stadtbücherei hat gezeigt, wie Abbruch ressourcenschonend und ohne Verschwendung durchgeführt werden kann. (Projekt der THA und des Staatlichen Bauamts Augsburg "Architektur im Kreis")

Zudem wurde die Anbindung an das Fernwärmenetz der Stadt Augsburg frühzeitig realisiert, um den Neubau energieeffizient zu versorgen.

Die Grünanlagen verbleiben als prägendes Element der Liegenschaft; Maßnahmen zur Förderung der Artenvielfalt sind fester Bestandteil des Projekts. Bestehende Bäume werden seit Beginn der Arbeiten geschützt und durch gezielte Nachpflanzungen ergänzt, sodass ökologischer Mehrwert und städtische Aufenthaltsqualitäten erhalten bleiben.

Umsetzung, Zeitplan und Finanzierung

Die Grundsteinlegung erfolgte am 2. Juni 2025; seither schreiten die Arbeiten zügig voran. Die bauliche Fertigstellung ist für Frühjahr 2027 geplant. Anschließend folgt eine Inbetriebnahme- und Testphase, nach deren erfolgreichem Abschluss der Bibliotheksbetrieb voraussichtlich Ende 2027 aufgenommen werden kann.

Der Freistaat Bayern stellt für Sanierung und Erweiterung rund 62,5 Mio. Euro bereit. Die Stadt Augsburg beteiligt sich mit 1,4 Mio. Euro: städtische und staatliche Flächen und Nutzungen werden verzahnt, unter anderem durch eine direkte Verbindung zum gegenüberliegenden Maria-Theresia-Gymnasium. Das Gebäude wird im Stadtbild eine größere Sichtbarkeit entfalten und sich als „Schmuckstück“ präsentieren, unter anderem durch eine dezente Fassadenbeleuchtung.

Bedeutung für die Bibliothek und die Region

Die Staats- und Stadtbibliothek Augsburg wird durch den Neubau zu einem modernen Bibliothekskomplex mit erweiterten Funktionen wie Veranstaltungs- und Studienräumen. Die Bibliothek bleibt gleichzeitig Archiv- und Forschungsbibliothek mit spezialisierten Forschungsschwerpunkten (u. a. Brecht- und Mozartforschung). Trotz fortschreitender Digitalisierung bleibt die dauerhafte, klimatisch gesicherte Aufbewahrung von Archivgut als historisches und kulturelles Gedächtnis Bayerns unverzichtbar.

Ausblick

Mit dem erfolgreichen Richtfest ist ein weiterer Meilenstein erreicht. In den kommenden Monaten stehen der Innenausbau, die technische Ausstattung und die Sanierungsmaßnahmen des Denkmals im Vordergrund, damit die Bibliothek ihre Rolle als Ort des Wissens, der Forschung und der Begegnung künftig noch besser erfüllen kann.

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